Brüderlein und Schwesterlein

Puuh, ganz schön viel Zeit vergangen, seit ich das letzte Mal von mir hab hören lassen. Aber es war wirklich viel los hier in den vergangenen Monaten. Schließlich liegt ein ganzer Sommer hinter uns, in dem ich gespielt, geschnüffelt und – ja– auch gearbeitet habe. Für Fotos und Berichte war da kaum Zeit.

Aber gestern war ein ganz besonderer Tag. Von dem muss ich euch unbedingt berichten. Denn gestern habe ich nach langer Zeit (2 Jahre) meine Schwester Bente wiedergetroffen.

Bente hat lange in Schweden gelebt, ist aber im Frühling in die Stadt gezogen, in der wir auch wohnen. Ist das nicht toll? Äußerlich sehen wir uns zwar fast gar nicht ähnlich, aber die inneren Werte und unser Temperament passen bestens zusammen.

Na, und gestern haben unsere Zweibeiner es dann endlich hingekriegt, dass wir uns mal treffen. War das ein Glück, denn nach all den grässlichen Regentagen schien die Sonne so schön, dass man es kaum glauben konnte. Während unsere Menschen gemächlich über die Wiesen schlenderten, rasten das Schwesterherz und ich hin und her und schauten uns nach anderen Hunden um. Wie ein perfekt eingespieltes Team haben wir denen dann klargemacht, dass hier unsere Regeln gelten. Auch bei der Überprüfung der Hundepersonalien haben wir uns prima ergänzt. Sie sicherte ab, ich übernahm die Leibesvisitation.

Über Bentes Zweibeiner kann ich ebenfalls nur Positives berichten. Auch wenn das versprochene Eis wegen angeblicher Winterpause der Eisdiele (pfffhhh …) ausblieb, versorgten sie mich mit ausgesprochen schmackhaften Leckerlis für die ich fast nichts tun musste.

Alles in allem ein kaum zu toppender Nachmittag für die zwei Hummeln von der Weser.

Liebe Grüße
Euer Bowie

Drei. Drei. DREI!!

Wäre ich ein Mensch, würden heute 18 Kerzen auf meiner Geburtstagstorte brennen und ich dürfte ein Auto lenken, Parlamente wählen und vieles mehr. Ich bin aber ein Hund und in meinem Quark-Leberwurst-Kuchen stecken heute 3 Würstchen. Viel besser als Kerzen und muss man nicht auspusten, sondern darf hund aufessen.

Mit drei Jahren gilt ein Hund als erwachsen. Er soll in seiner körperlichen Entwicklung am Ziel angekommen sein, was heißt, das Skelett hat seine endgültige Parkposition erreicht, das Gehirn ist ausreichend verkabelt und der Hormonhaushalt weitestgehend gefestigt. Wir sind jetzt, wer wir sind. Theoretisch.

Meine Menschen sagen, dass ich die Theorie aber ganz gut bestätige und den Zeitplan genauso pünktlich erfülle, wie die Marken des Bein-Hebens, des Zahnwechsels und der Pubertät. Was sie damit meinen, wenn sie sagen, ich sei jetzt souveräner als noch vor Monaten, ist mir nicht ganz klar. Ist mir auch egal. Aber wenn uns das nächste Mal einer anquatscht und mein Alter noch unter ein Jahr schätzt, dann zeig ich dem meinen Heimtierausweis. Ich bin drei. DREI!!! Hörst du? Egal, ob ich die süß gefaltete Stirn oder den Trippelgang eines Welpen habe.

Urlaubsgrüße von der längsten Sandbank

Na, meine Lieben, habt ihr mich vermisst?

Da ich seit Anfang des Jahres jeden Tag mit der Zweibeinfrau in ein Not-My-Home-Office gehe, haben wir zwei zwar weniger Zeit für draußen, dafür aber bezahlten Urlaub. Und den hat unser vollständiges Rudel in der ersten Aprilwoche wieder auf Juist verbracht.

Diese Insel ist einfach spitze. Der Sandstrand so weit, dass man eigentlich nicht weiß, wohin man laufen soll.

Also rannte ich erst ein bisschen ziellos auf und ab. Konnte nicht fassen, dass ich hier ungebremst lospreschen kann.

Natürlich gibt es auf Juist eine überall geltende Leinenpflicht. Da, wo Vögel und Wild gestört werden könnten, musste ich auch an die Leine. Schließlich gilt das Tierwohl ja für alle Wesen. (Schade eigentlich, denn ein Hausbesuch bei Fasan und Kaninchen hätte mich schon interessiert.)

War weit und breit nix in Sicht, hieß es aber „Leinen los!“

Sodass ich auch ausgiebige Wälzungen in animalischem Strandgut vornehmen konnte.

In den Dünen roch es gut nach frischem Gras und Kaninchenkötteln. Die Spontannachrichten der anderen Hunde reichten von lustig über anmaßend bis animierend. Ich habe sie ALLE ausgiebig studiert.

Meine Zweibeiner sind ja echte Weicheier und müssen sich zwischendurch auch mal hinsetzen. Dann essen sie duftende Sachen und trinken brackiges Wasser …

… während ich in der unteren Etage darauf warte, dass es entweder weitergeht oder ein Bröckchen runterfällt. Meistenst passiert lange weder das eine noch das andere.

Leider vergingen die Strandtage viel zu schnell und die Zweibeiner packten schon bald wieder meine Sachen in diese merkwürdig großen Taschen und Kisten.
Ach, wann kommen wir wieder? Ich find Juist einfach wunderbar!

Wintermode maßgeschneidert

Brrrrrr … ist das kalt da draußen. Darum seht ihr den Kromimischling heute mal ungewöhnlicherweise mit herunterhängender Rute. Ich musste aber schnell  für ein, zwei, drei Fotos auf den gefrosteten Balkon, damit ihr mich in meinem dezenten Wintermantel bewundern könnt.

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Eigentlich trag ich lieber Strickpullis, aber durch die fegt der minus neun Grad kalte Wind in diesen Tagen so, dass ich jetzt auf den Mantel umgestiegen bin. Für den tiefen Brustkorb und den langen Rücken der Kromis ein passendes Modell zu finden, war aber nahezu unmöglich. Außerdem mag ich diese Hightech-Stoffe gar nicht, weil die bei jeder Bewegung so scheußlich knistern. Von den Gummihaltebändern, die einem um die Hinterbeine gehängt werden, mal ganz zu schweigen.

Mein Mäntelchen ist da ganz anders, denn das hat die Zweibeinfrau im letzten Jahr selbst genäht. Es hält vornehmlich meinen männlichen, aber sehr kälteempfindlichen (weil mit wenig Fell bedeckten) Brustbereich schön warm, weil der schicke Oberstoff mit Vliesstoff gefüttert ist. Den Schnitt hat die Zweibeinerin mit meiner freundlichen Unterstützung gebastelt. Dafür musste ich gaaaaanz lange stillstehen, bis die Zwiebeinfrau alles mit Packpapier und Nadeln abgesteckt hatte. Naja, der Keks zur Belohnung meiner Mühe war die Sache schon auch wert.

mantel-3Ich kann sogar mein Geschirr über dem Mantel tragen. Und da meine hauseigene Designerin auch auf Vorderbeinfreiheit geachtet hat, steht einem flotten Spurt durch den Schnee nichts im Wege.

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Tschüs, ich muss los! Der Schnee wartet nicht ewig.

Euer Bowie

 

Spielende Hunde beißen nicht

Heute hab ich mir mal eine Assistentin eingeladen, die mit mir zusammen das Spiel von Hunden erklärt. hundespiel

Sie kommt aus Rumänien, ist circa 4 Jahre alt und kann echt gut Mäuse jagen. Weil sie mal eine Zecke verschluckt hat, war sie ziemlich krank und schlapp und hatte keine Lust zu spielen. Doch jetzt geht es ihr besser und unsere Menschen nennen uns Wildschweine, wenn wir beim Spielen richtig in Fahrt kommen.

Aber HALT! – Wir wollten euch doch unser Hundespiel erklären.
Also: Erstmal schleichen wir umeinander rum. Das ist so eine Art gespielte Schockstarre, bei der wir beide auch gern liegend ansitzen. Und wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Kennen alle Hundebesitzer von ihren eigenen Fifis.

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Es folgt entweder die Attacke, bei der beide versuchen, sich gegenseitig in die Lefzen zu beißen. Oder zumindest so tun. Denn spielende Hunde beißen nicht.

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Oder das Känguruboxen. Darin bin ich übrigens Meister.

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Das Scheinjagen findet bei uns fast immer am Platz statt. Mit anderen düs ich gern mal durchs Gelände, schlage Haken und freu mich, dass mich kaum einer fängt. Aber auch am Platz muss man sich schnell drehen können, damit der Mitspieler einen nicht erwischt.

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Es folgt einer meiner Lieblingsteile: albern sein und Wohlfühlwälzen.

hundespiel-4 Das Gegenüber durch ungewohntes Verhalten verwirren. hundespiel-6

Sand scharren, um für noch mehr Verwirrung zu sorgen.
(Sehen eigentlich alle Kurzhaarhundeschnauzen von unten aus wie Fischmäuler???)

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Wenn wir dann so richtig schön kaputt sind, geht jeder seiner Wege, schnuppert hier, pieselt da, oder wir liegen einfach nur in der Gegend rum.

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Oft passen wir auch zusammen auf, dass sich niemand unbemerkt in unsere Arena wagt. Denn ein richtiges Hundespiel ist auch eine Team-Building-Maßnahme. Und, hey, wir sind ein Top-Team!

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Einziger Nachteil dieser wilden Spieleinheiten ist Sand auf der Nase, in den Ohren, in den Augen, im Fell, im Halsband und sonstwo noch.
Aber das ist es allemal wert!

Servus
Euer Bowie

Seltsame Begegnung

Das Zweibeinwesen und ich düsen momentan fast täglich mit dem Fahrrad umher. Entweder, um zu einem tollen Spaziergelände zu radeln oder ins Büro. Für Letzteres müssen wir fast durch die halbe Stadt sausen, einen Fluss überqueren und an hunderttrillionen Ampeln halten. Da ich im Sommer ja immer mein Paradeplätzchen auf dem Fahrrad einnehme, sprechen uns ständig Leute an – die meisten, weil sie solch einen Hundesitz noch nie gesehen haben. Wir kennen das schon, aber manchmal kommt es  zu sehr seltsamen Begegnungen:

Gestern halten wir also wieder mal an einer Ampel an, als sich von der Seite ein Zweibeiner mit schwankendem Gang nähert. Ich merke, wie die Zweibeinfrau die Luft anhält, denn das, was der Mann in die Gegend atmet, riecht wie verdorbener Obstsaft. Aber die Zweibeinfrau ist gut sozialisiert, also grüßt sie freundlich zurück, als der Typ mit dem Cappy ein Hallo äußert. Die darauffolgende Frage „Bist du ein Spiegel?“ stellt sie dann zwar offenbar vor ein Rätsel, aber sie antwortet trotzdem höflich und wahrheitsgemäß: „Äh, nö.“

Der Typ lässt nicht locker. Jetzt kommentiert er wohl irgendjemandes Aussehen, Genaues können wir nicht verstehen (flüchten ist keine Option, denn die Ampel zeigt immer noch kein Grün), und obwohl die Zweibeinfrau jetzt die Nackenhaare aufstellen würde, wenn sie könnte, wird sie nicht ausfallend, sondern nickt und lächelt ein wenig dümmlich in unbestimmte Richtung. Da kommt wieder das mit dem Spiegel: „Hat der Spiegel murmel, murmel, murmel …“ Selbst mein allerschärfstes Hundeohr versteht diesen Satz nicht. Aber die Zweibeinfrau äußert tapfer etwas, das neutral genug ist, um als Kommentar für alles Mögliche durchzugehen. Da platzt dem Typen der Kragen und wir verstehen jede Silbe, als er lallt: „Jetzt reicht’s mir. Wer redet denn mit dir? Was du sagst, interessiert mich nicht. Ich rede mit dem schönen Hund.“ – Holla! Das hat gesessen, und ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Zur Verteidigung der Zweibeinfrau muss ich aber sagen, dass es das promillebedingte Schielen des Typen wirklich nicht leicht gemacht hat zu erkennen, mit wem er denn spricht. Genau in diesem Augenblick springt das Ampellicht um. Und während sich die Zweibeinfrau auf den Sattel schwingt, ruft sie dem Kerl noch einen winzigen Satz zu: „Der schöne Hund redet aber nicht mit jedem.“

Genau. Aber ich grübel immer noch, was der Typ wohl mit dem Spiegel meinte.

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